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Rennsport - Nordschleife Rennbericht

Eine Runde Nordschleife in einem Porsche 356 - Teil II

Eine Herausforderung der anderen ART

Einmal die wohl berühmteste Rennstrecke der Welt in einem Porsche zu durchfahren! Ein Traum, den viele von uns schon seit Jahren haben. Steigen Sie ein in unseren zweiten Teil und erleben Sie den Eifelkurs hautnah.

Nachdem wir die seichte Überhöhung am "Klostertal" mit Vollgas unter die Räder genommen haben, beschert die scharfe Rechtskurve an der Einfahrt zur "Steilstrecke", der vermeintlichen Ruhephase, ein jähes Ende. Aus Tempo 178 geht es krachend durch die Gänge in den Zweiten. Ein heftiges Untersteuern bringt uns durch die erste Kurve. Hoch in den Dritten bis zum Anbremspunkt des kleinen "Karussels".

Ein kleines Geheimniss des "Karussels" besteht darin, am Lenkrad umzugreifen. Idealerweise führt man die rechte Hand bis auf den untersten Punkt, die linke auf den obersten, 12 Uhr Stellung. Nur so erreicht man mit den stark eingelenkten Vorderrädern beim Durchfahren dieser absolut einmaligen Schikane einen optimalen Haltepunkt für die Hände am Steuer. Es wäre nicht das erstemal, daß einem ungeübten Fahrer hier sprichwörtlich die Arme zu ausgegangen sind. Das bedeutet, daß der Fahrer die Lenkstellung nicht mehr halten kann, das Fahrzeug verläßt dann unweigerlich den Kessel über die obere Streckenkante. Ein Überschlag ist nicht gerade selten die Folge.
Beim Durchfahren des Karussels werden wir heftig in die Schalensitze unseres Fahrzeugs gepreßt. Ein vorausfahrendes Auto versprüht einen Funkenregen, als der Tiefensumpf die Betonplatten berührt. Beim Herausbeschleunigen treiben wir unseren Drehzahlmesser auf 7500 u'min. Dann in den dritten Gang, um bei optimaler Kraft durch die "HOHE ACHT" zu kommen.
Nach Passieren des Scheitelpunktes der Hohen Acht gehen wir sofort in den vierten Gang, denn jetzt folgt das lange Stück bergab durch das Geschlängel des "Wippermann". Wir peilen die Streckenbegrenzungen links und rechts der Fahrbahn an, überfahren deutlich jeden Curb, so geht es im 4ten voll. Ein Vorderrad unseres 356 steht allerdings bei dieser Attacke immer in der Luft, und heftiges Übersteuern erfordert ständiges Sägen am Volant. Der kleine Porsche benötigt jetzt alle Aufmerksamkeit der Welt. Vor der "ESCHBACH" eine 3.-Gang- Rechtskurve, stark angebremst durch die sofort Folgende links hinunter in das "BRÜNNCHEN". Das Brünnchen war und ist ständiger Zuschauermagnet bei allen Nordschleifen-Rennen und überrascht uns Fahrer immer wieder mit einer wetterfesten Fan-Gemeinde.

Wir zollen den Rennsportfreunden Tribut, indem wir in einem spektakulären Drift bis hinaus aufs Grün die Rechtkurve passieren. Ein bißchen Glück gehört eben auch dazu. Heute waren die Strecke und auch die Wiese trocken. Sollte dieses nicht so sein, endet das Verlassen der Strecke zumeist an einer der Leitplanken. Die nächste rechts im 2ten den Hügel hinauf, sofort wieder links, alle Gänge hochgeschaltet. Hinab in den "PFLANZGARTEN".

Höhepunkt dieses Abschnittes ist der Sprunghügel, gefolgt von einer schnellen Rechts. An dieser Stelle machte schon die Formel 1 große Sprünge von manchmal 10 Metern und mehr. Im vierten, vorher leicht gelupft, nehmen wir den Sprung. Ein Gefühl von mindestens 10 Flugzeugen im Bauch erinnert uns an den Vorabend, den wir mit einigen reginalen Getränken gegen Mitternacht haben ausklingen lassen.

Der Rest des Planzgarten geht voll, unser Heck markiert mit wildem Übersteuern die physikalischen Grenzen historischer Automobiltechnik. Trotzdem behaupten wir eine Geschwindigkeit, die weit über der unsrerer Wettbewerber liegt, allerdings zumeist Piloten britischer Traditionsmarken.

Wir jagen durch diese schnelle Kurvenkombination leicht abwärts und reduzieren unser Gas erst wieder vor der "SCHWALBENSCHWANZ" rechts. Mit nur leicht gemäßigtem Tempo geht es durch, dann einen Gang tiefer durch das grosse "Karussel".
Das darauf folgende Stück Drosselklappen Stellung offen, hoch zum "GALGENKOPF", die letzte große Schlüsselstelle der Nordschleife.
Der Galgenkopf ist eine zwei Kurven lange links aussen, Spät einlenken ermöglicht uns, den 2ten Teil der Kurve bereits im vorher eingelegten 4ten Gang zu nehmen. Das bringt uns einen riesigen Vorteil auf der anschließenden "DÖTTINGER HÖHE". Die über 3 Kilometer lange Gerade treibt unseren kleinen 1.6-Liter zum Äußersten. Nach ca. der Hälfte der Distanz zeigt unser Drehzahlmesser sagenhafte 7800 u.min, der Tacho steht auf 223 km/h. Schwingungen und heftige Vibrationen zeugen von minimalen Unwuchten in Reifen und Felgen. Der Vierzylinder-Boxer atmet durch die 4 Solex-Vergaser unter Höchstlast die heißen Auspuffgase und beweist uns wieder einmal Standfestigkeit auch bei maximaler Beanspruchung. Kurz vor Ende der Döttinger Höhe müssen wir kurz vom Gas, um einen Motorplatzer zu vermeiden, denn der "KLEINE" will gar nicht aufhören zu drehen.
Vorbei an der "ANTONIUSBUCHE", durch die superschnelle Links in Richtung "HOHENRAIN", fliegt das Ende der Nordschleife auf uns zu. Vor der letzen Recht-Links-Schikane noch einmal mit allen vieren über den sehr breiten Curb, sofort hart heruntergebremst und einen Gang tiefer durch. Beim Herausbeschleunigen auf die GP-Strecke passieren wir die Leitplanke in einem Abstand von wenigen Zentimetern. Zum letzen Mal schalten wir hoch in den Vierten und überqueren nach weiteren ca. 250 Metern die Start-Ziel-Linie.

Wir haben es bezwungen, dieses Labyrinth aus Berg und Tal, Kuppen und Kurven. Die gefahrene Zeit von 11 Minuten 49 Sekunden katapultiert uns auf einen 39. Gesamtrang von 179 angetreten Fahrzeugen. Nicht so schlecht, wie wir einhellig meinen, aber ein bißchen müßte noch drin sein. Also auf zur nächsten Runde.

Nachdem wir unseren Porsche in der Box abgestellt haben, hören wir einige Zuschauer sagen: "So ein Wahnsinn, die schönen alten Autos hier über die Rennstrecke zu hetzen!". Na ja, sie haben vielleicht Recht, aber ein solches Erlebnis ist mehr als nur Entschädigung.

Dirk Sadlowski

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